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Weder Fisch noch Vogel

In diesem Artikel zeige ich meine aktuellsten und vor der offiziellen Präsentation wahrscheinlich letzten Bilder. Mittwoch vor einer Woche hatte ich eine weitere Besprechung mit einem Dozenten. Er schlug mir zwei Wege vor, wie ich weiterfahren könnte: Einerseits zu redudzieren, bis das Porträt zu einem Zeichen wird, das ich beliebig wiederholen könnte, wie ein Buchstaben. Und andererseits könnte ich meinen Perfektionsdrang auf die Spitze treiben und versuchen so genau ans Original zu kommen wie möglich. Dabei erwähnte er auch immer wieder die Suche nach dem Idealmann (die offensichtlich vor allem in meinen frühen Teeniezeichnungen zu erkennen ist, aber auch in der Auswahl der abzuzeichnenden Fotos). Die Idee, dass ich immer noch auf der Suche nach dem Idealmann sein könnte nervt mich ehrlich gesagt. Es passt überhaupt nicht in mein Selbstbild. Das Thema kam dann auch in meiner Therapie immer wieder auf und hat mich dort weitergenervt. Dann hab ich begonnen, wohl aus Ärger, nur noch ältere, runzlige Männer zu zeichnen.  Das Thema war aber trotzdem nicht vom Tisch.

Zum Thema Idealmann, Idealfrau hier eine nette Geschichte aus der griechischen Mythologie: Pygmalion

Was ich nun mit dem Thema anfangen soll, weiss ich nicht so recht. Vielleicht nehm ich es tatsächlich auf. Lieber wärs mir aber darauf zu verzichten.

Die folgenden Zeichnungen sind in einer relativ kopflosen Phase entstanden und sind drum weder Fisch noch Vogel. Sie sind weder sehr reduziert, noch perfektionistisch. Ich war auf der Suche, wusste aber nicht nach was. Aber seht selbst:

Intermezzo

Bei einer Besprechung im Tandem wurde uns eine Überraschung angekündigt: Wir sollten für zwei Tage die Arbeit einer/s MitstudentIn übernehmen. Wir wurden einander zugeteilt und so tauschte ich meine Aufgabenstellung mit der von Dominik H. Seine Aufgabenstellung sieht in etwa so aus: Er nimmt sich vor jeden Tag ein paar Skizzen zu machen, um wieder öfters zu zeichnen. Er skizziert entweder sein Gesicht oder sein Portemonnaie, weil er das immer bei sich trägt. Zu Beginn nimmt er sich vor, wie und womit er skizzieren möchte. Zum Beispiel linear mit Kugelschreiber, oder ohne Absetzen mit Bleistift, etc. Danach schreibt er zwei, drei Gedanken auf, die er während des Zeichnens hatte.

Also setzte ich mich vor den Spiegel, häufte ne Menge „Werkzeug“ an und das hier sind die Ergebnisse:

Die Übung hatte eine lockernde Wirkung auf meine eingesessenen Automatismen beim Zeichnen, war aber auch eine Herausforderung, weil ich mich generell nur schwer an die eigenen Vorgaben halten konnte. Wollte ich zum Beispiel ganz reduziert grafisch mit Filzstift zeichnen, habe ich schlussendlich trotzdem wieder viel zulange herumgestrichelt. Vor allem bei den Portäts war der Drang, es genauer auszuführen, sehr stark. Beim Portemonnaie war es viel einfacher. Es hat mich aber auch weniger interessiert und ich war nicht besonders motiviert viel Skizzen davon anzufertigen.

Meine Vorstellung vom „guten“ Porträt ist so dominant, dass sie mich ständig begleitet und fast schon meine Bewegungen koordiniert. Darum fiel es mir schwer reduzierend zu arbeiten. Ich spüre eine innere Grenze, die ich nicht so recht überschreiten kann. So eine Stimme, die sagt „Das ist doch kein erkennbares Gesicht“, wenn ich zu minimalistisch und rasch zeichnen will. Und dann strichel ich weiter, bis die Stimme befriedigt ist.

Ein Weg den ich bei weiteren Vorgehen einschlagen könnte, wäre diese Grenze zu überwinden.

Weitere Bilder

JonathanRhys

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Viggo2

JetLi

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Yoda

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Ich bin im Moment völlig blockiert. Eine mir altbekannte Stimme hat sich wieder in meinem Kopf eingenistet. Ich habe einen sehr anstrengenden Drang nach Perfektion, alles was nicht perfekt wird frustriert mich und dann handle ich nach dem Motto „Wenn nicht perfekt, dann gar nicht“. Und das Ganze passiert nicht einmal bewusst. Ich bin sozusagen drauf programmiert.

Woher das kommt weiss ich leider nicht. Ich habe mich gestern auch mit meiner Therapeutin darüber unterhalten. Auf jeden Fall ist es spannend wie sich alles miteinander verwebt. Die Gespräche mit P. Radelfinger und meiner Therapeutin, meine Erlebnisse und die zeichnerischen Ergebnisse. Es wird sicher ganz viel Staub aufgewirbelt, der sich angesetzt hatte…Nur bezieht sich das Ganze immer auf meine Vergangenheit und ich habe das Gefühl dort drin festzuhangen und ich schaffe es ganz einfach nicht ins „Jetzt“.

Und der Gipfel ist wohl, dass mir die Therapeutin (einmal mehr) gesagt hat, ich hätte mich noch nicht von meinen Eltern abgelöst. So wie ich mich beim Zeichnen nicht vom Staub (dem Perfektionismus und den alten Idealen) ablösen kann, so kann ichs im Leben nicht von meinen Eltern.

Nun gut, was heisst das jetzt für meine Arbeit. Ich könnte zwei Wege gehen: Ich kann mich dem Perfektionismus unterordnen und versuchen herauszufinden, wie nahe ich an die „Perfektion“ komme und die damit verbundene Zufriedenheit. Das heisst ich würde weiterhin Fotos abzeichnen.

Der andere Weg wäre der Versuch gegen den Perfektionismus zu arbeiten. Alles so unperfekt wie möglich zu zeichnen. Krakeln, kritzeln. Blind zeichnen, auf dem Kopf abzeichnen. Das tönt nach mehr Action, löst jetzt aber auch einen gewaltigen inneren Widerstand in mir aus. „Wohin soll das denn führen?“

Und dann die grosse Frage wo die Kreativität dabei bleibt. Eine Frage, die zu noch mehr Blockaden führt. Darum sollte ich sie für den Moment ignorieren. Ich hoffe, das nimmt mir niemand übel.

Ich werde jetzt wohl so vorgehen: Ich zeichne weiterhin Fotos ab, versuche perfekt zu sein. Danach versuche ich dasselbe Foto auf dem unperfekten Weg zu behandeln. So befriedige ich einerseits den Perfektionismusdrang (ganz kann ich das ja eigentlich nie) und andererseits versuche ich ihm etwas entgegenzusetzen.

In diesem Post möchte ich meine Gechichte als Zeichnerin anhand von Bildbeispielen aus meinen alten Mappen aufzeigen. Ich habe thematisch verschiedene Themen durchgemacht, entsprechend meiner damaligen Interessen. In der ersten Phase waren darum die obligatorischen Pferde und Prinzessinnen sehr präsent.

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Später interessierte mich, inspiriert von Herr der Ringe, Fantasiewelten mit Fabeltieren und sonstigen Überwesen.

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Meine letzte und intensivste Phase war die Mangaphase. Ich begann die japanischen Comics zu lesen und war inspiriert von dem fremden Zeichnungsstil. Mangas waren damals ganz frisch in Deutschland und der Schweiz aufgetaucht und hier ein relativ neues Phänomen. Die einfache und ausdruckstarke Darstellungsweise von Menschen sprach mich an und ich begann erste mangaähnliche Zeichnungen zu fertigen. Später übte ich anhand von Gottfried Bammes’ „Die Gestalt des Menschen“ das Zeichnen von menschlichen Körpern und wandte das erlernte gleich beim Zeichnen von Manga-Szenen an.

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Die restlichen Bilder, die ich zeigen möchte sind wahrscheinlich gelichzeitig zu der Mangaphase entstanden.

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Und hier noch ein Projekt, das etwa ein Jahr alt ist. Eine Bekannte von mir hat ein Kinderbuch geschrieben und ich versuchte mich an der Illustration. Das Buch wurde aber bis jetzt nicht veröffentlicht und die Verlegerin war auch nicht zufrieden mit meinen Bildern.

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Es stockt.

Ich habe zwei Rückmeldungen auf mein Vorhaben erhalten:

A. Mozzini: „Der Schlusssatz müsste zuoberst stehen, das ist die eigentliche Frage. Was ist Kreativ, was nicht, gibt es überhaupt unkreatives, usw. Was heisst für dich eigenständig zeichnen? Und wie Beschreibst du das Gegenteil? Stellst du das nur beim Zeichnen fest? Wie sieht es von anderen Medien aus? Spannendes Vorhaben, weil es auf eigene Erfahrung aufbaut. Darum: Ein Wechselspiel von Gestalten und Ausformulieren deiner persönlichen Ausgangslage enthält ein grosses Potential bezogen auf möglichen Antworten , neue Thesen und neue Fragen.“

H. Lüber: „Eine schöne Anlage. Ich würde in der Auseinandersetzung wirklich beim Tun, und durch das Tun selber die Fragen angehen. Mit anderen Worten: Nutze die Gelegenheit und beantworte die Fragen performativ/gestalterisch und nicht aus kritischer Distanz (also nicht im Sinne von: Vergleichen, Werten etc)“

Die Rückmeldungen sind sehr positiv und bestärken mich eigentlich in meinem Vorgehen aber trotzdem: In den letzten paar Tagen ging gar nichts in meiner gestalterischen Arbeit. Da war so viel anderes im Vordergrund, dass ich das Zeichnen ganz einfach zur Seite geschoben habe. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es auch damit zu tun hat, dass sich bei mir die Angst eingeschlichen hat, dass ich nicht weiterkomme, oder vor allem, dass ich befürchte, dass sich dieser kreative Moment nie einstellen wird. Darin erkenne ich meine Angst vor dem Druck etwas Kreatives zu leisten. Und ich nehme an diese Angst blockiert jetzt unbewusst meinen Arbeitsprozess.

Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als so weiterzufahren wie bisher und mir noch keinen „Kopf“ darüber zu machen, wie ich zur Kreativität stosse.

Ich habe mich nun am 4. November für ein Gespräch mit P. Radelfinger eingetragen (ein Dozent und Künstler unserer Schule, der Zeichnen unterrichtet). Mal sehen ob ich ich bis dahin meine „Produktion“ wieder aufnehmen und eventuell einige Fortschritte machen kann.

Bild 3 und 4

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Mein Vorhaben

In erster Linie möchte ich mich mit der persönlichen Frage beschäftigen: „Was braucht es, damit ich wieder eigenständig zeichne?“

Ich habe von klein auf immer gezeichnet bis zu einem gewissen Zeitpunkt nach meiner Pubertät. Jetzt möchte ich es wieder zurückerlangen und dazu werde ich dieses Gestalterische Projekt (miss)brauchen. Meine Erkenntnisse, die ich daraus ziehen werde, könnten meinen zukünftigen Schülern ebenfalls nützlich sein.

Ich setze mir einen gestalterischen Rahmen, um eine Richtlinie zu haben und einen Anfang zu finden. Die Erwartung an mich selbst, etwas Kreatives zu schaffen, hemmt mich sehr und führt zu einer Selbstzensur, die mir jegliches Vorhaben schon vor Beginn vermiest. Darum werde ich anhand von „unkreativer“ Gestaltung (abgezeichnete Fotos) versuchen zu einem kreativen Moment zu gelangen. Ich werde fotografierte Gesichter (Bilder aus dem Internet von Menschen, die mich in irgendeiner Weise optisch ansprechen) abzeichnen und untereinander vergleichen. Ich werde Bilder produzieren bis – durch Zufall oder eine spontane Idee – sich ein kreativer Moment einstellt. Diesen werde ich dann weiterverfolgen.

Parallel dazu werde ich vielleicht, in einer späteren Phase, Gesichter aus der Vorstellung zeichnen mit dem Versuch kreativ und expressiv zu sein, wobei ich dann auch kreative und unkreative Momente vergleichen werde. Ziel dieses Vorgehens wäre es zu einer eigenen Kreativität zu gelangen, die mich dann auch dazu motiviert das zeichnerische Gestalten selbstständig weiterzuführen und beizubehalten.

Die Frage „Was ist kreativ?“ drängt sich da natürlich sofort auf. Vielleicht kann ich im Laufe des Projektes eine eigene Definition davon erstellen, oder ich ziehe Fachliteratur herbei.

Bild001Der Mann mit dem schiefen Blick.

Erste Schritte

Bild037 Hier startet meine Forschungsreise. Mit dem Gedanken „Hauptsache ich zeichne etwas“ erschuf ich dieses Bild. Die gestalterisch-kreative Leistung ist gleich null, da ich nichts weiteres getan habe, als ein Foto abzuzeichnen. Während der Arbeit beobachtete ich mich selbst. Am Anfang stand die Motivation den abgebildeten Herrn zu beeindrucken. Beim Zeichnen kämpfte ich gegen eine innere Miesmacherstimme, die mich mit allen Mitteln davon abhalten wollte, zu Ende zu zeichnen. Ich biss mich aber durch und brachte das „Werk“ zu Ende. Ich erreichte sogar mein Ziel und erhielt eine begeisterte Rückmeldung des Herrns, der sich sonst reichlich wenig um meine Existenz kümmert.

Ein zweites Bild entstand einen Tag später. Wieder achtete ich dabei auf mein Inneres. Das Gesicht war einiges Schwieriger. Ich hatte wahnsinns Mühe mit dem Abstand der Augen der Person. Als ich mit dem Bild fertig war, frustrierte mich die Tatsache, dass die Augen immer noch nicht stimmten und ich nichts mehr daran ändern konnte. Es war schon spät abends und ich war genervt so viel Zeit für etwas aufgewendet zu haben, das am Schluss „schlecht“ herauskam.

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